Hildegard Kirschner, verw. Jäckel, geb. Gerhardt
– am 28.06.2012 im Alter von 93 Jahren gestorben.  

Die langjährige „Chefin“ des Bauunternehmens Otto Jäckel aus Dillenburg und später der Jäckel- Immobilien Betriebe gab vielen Arbeit, Hilfe, Unterkunft.

 Ihr Motto: Jeder verdient eine Chance

 Am 10.10.1918 kam sie als 1.von 3 Töchtern des Land- und Gastwirtehepaares Eduard und Johanna Gerhardt im jetzigen Haiger – Rodenbach zur Welt. Durch den Bau der Eisenbahnstrecke gezwungen, die Ländereien und die Gaststätte für den Eisenbahnbau zu verkaufen, investierten die Eltern den Kaufpreis 1921 in Dillenburg u.a. in ein Gaststättenanwesen am Obertor, den „Westfälischen Hof“, das sie auch lange Jahre selbst betrieben. 

Nach Schule und Arbeitsdienst bei Hemden-Häuser und Frank’sche Eisenwerke und der Mitarbeit im elterlichen Betrieb heiratete Hildegard Anfang 1944 den Kasseler Nationalstaffelboxer und Teilnehmer an den Studentenweltmeisterschaften, den Bauingenieur für Hoch- und Tiefbau, Otto Jäckel. 

Noch 1944 kam Sohn Udo zur Welt. Der Ehemann von Hildegard gründete nach im Krieg erlittenen schweren Verwundungen und nach der Kriegsgefangenschaft schon 1946 nach Erhalt der entsprechenden Lizenz von den Amerikanern den Amateurboxclub Dillenburg, einen der erfolgreichsten Boxclubs in Deutschland, der in der Folgezeit in ganz Deutschland durch die „Dillenburger Boxschule“ ein Begriff wurde. Sein Bestreben war, die Kinder von der Straße zu holen, sie vernünftig zu beschäftigen, ihnen neue Ziele zu vermitteln auch weg von Alkohol und Rauchen. Er kontrollierte die Mitglieder seiner Sportgruppen auch abends in den Gaststätten und schickte sie insbesondere vor Wettkämpfen frühzeitig nach Hause.

Am 20.02.1949 gründete er sein Bauunternehmen, in dem seine Frau vom 1. Tag an mitarbeitete.   Otto Jäckel war als Box- und Sporttrainer bei den Sportvereinen, als Gauturnwart sowie als Gewerbelehrer an der Berufsschule Dillenburg tätig. Auch im Elferrat des Karnevalvereins war er aktiv. Im Jahr 1951 kam der 2. Sohn zur Welt, Otto.

Durch ihre kaufmännischen Tätigkeiten im elterlichen Betrieb, bei den Arbeitsdienststellen  und durch die dauernde Mitarbeit im Baugeschäft  geschult war Hildegard in der Lage, nach dem  tragischen Ableben ihres Mannes durch einen Arbeitsunfall am 9.10.1954, einen Tag vor ihrem Geburtstag, die Führung des Bauunternehmens selbst zu übernehmen.

Schon seit Firmengründung war sie für die ganze Belegschaft die „Chefin“, die sich in vielen Fälle neben den kaufmännischen Dingen, für die ihr u.a. Buchhalter zur Verfügung standen, auch um die sozialen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter kümmerte. Nach einigen Jahren der persönlichen Firmenleitung mit technischer Hilfe von angestellten Ingenieuren und ihrer engagierten Belegschaft heiratete sie 1958 den Architekt und Diplomingenieur für Hoch- und Tiefbau Horst Kirschner aus Flensburg, mit dem sie fortan bis zu seiner schweren Erkrankung 1965 die Firma führte. Durch die Erkrankung des Ehemannes entsprechend in Anspruch genommen, entschlossen sich die Eheleute noch 1965 zur Einstellung des Gewerbebetriebes.

Herr Kirschner war dann nach teilweiser Genesung bis zum krankheitsbedingten Ausscheiden aus dem Staatsdienst noch mehrere Jahre in der Rechnungsprüfung beim hessischen Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Dillenburg tätig.
Als dann 1971 Sohn Udo Jäckel nach Studium und verschiedenen Tätigkeiten  und Ausbildungen unter anderen im Investment- und Bankbereich  sein Immobilienunternehmen gründete, stand sie ihm mit ihrem ganzen Wissen und ihrer ganzen Arbeitskraft bei dem Aufbau und der Führung der Firma zur Verfügung. Bis zum Jahr 2002 hat sie noch regelmäßig und mit Freude in der Firma mitgearbeitet.

Schwer getroffen hat sie 1963 das Ableben der Mutter, 1977 der Tod des Vaters, ehemaliger Kriminalbeamter, der über 50 Jahre Mitglied beim MGV Orpheus, beim Liederkranz und Ehrenmitglied beim Schützenverein und der CDU sowie bis zum Ableben aktiver Turner war.

In den letzten Jahren musste sie das Ableben ihrer Schwestern Irmgard Collinet und Hella Graf betrauern, mit denen sie immer ein inniges Verhältnis hatte.
In den Jahren seit 1977 konnte sie sich an den Familien ihrer Söhne erfreuen.
Die Ehefrau von Sohn Udo, Rita Jäckel, arbeitet seit 1974 in der Firmenführung mit und ist seit April 1994 Generalbevollmächtigte.

Die Kinder von Sohn Udo, Otto C.E., MBA, Master of Business Administration im Bereich Firmengründung, -führung und –nachfolge, Diplomwirtschaftsinformatiker, Ausbilder, Lehrer und Qualitymanager beim Bildungswerk der hessischen Wirtschaft, dessen Frau Anja, sozialpädagogische Mitarbeiterin beim Bildungswerk der hessischen Wirtschaft und
Jacqueline H.E., Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch, Bürokauffrau, Immobilienconsultant(IHK), WEG-Hausverwalter(IHK), Hausverwalter(IHK) ;Ausbilderin(IHK), und staatlich geprüfte Betreuerin sowie deren Mann Jason, Computerspezialist und CAD-Zeichner, arbeiten seit Jahren im Immobilienbetrieb mit.

Sohn Otto,  Fachanwalt für Arbeits- und Verwaltungsrecht in Wiesbaden und Berlin, und seine Ehefrau, die Diplompädagogin Gaby Jäckel, sowie deren  in Berlin lebende Tochter Sophia, Rechtsanwältin,  und die ebenfalls in Berlin lebende und nach Bachelor in Politik und Ausbildung zur Schauspielerin in Frankreich immer wieder als Regieassistentin u.a am „Deutsches Theater Berlin“  tätige Tochter Laura erfreuten ihre Großmutter und trösteten sie über das 2010 erfolgte Ableben ihres  Ehemannes Horst hinweg.

Ihre Kraft fand sie in all den Jahren in ihrem Glauben und in der Musik. Während sie bis in die 80 Jahre noch Akkordeon spielte, fand sie bis 2012 im Klavierspiel ihre Entspannung.
Ein besonderes Anliegen von Frau Kirschner, ihren Eltern, ihren Söhnen und deren Familien war immer die Unterstützung Hilfsbedürftiger und die Unterbringung und Wiedereingliederung Obdachloser in den Arbeitsprozess.

Nun ist auch ihr Lebensweg zu Ende. Im Alter von über 93 Jahren starb sie am 28.06.2012 morgens um 1.20h zu Hause, erschöpft von einer Erkältung, in den Armen ihres Sohnes Udo und der Enkelin Jacqueline.
Sie war immer für uns da. Sie fehlt uns.